Sicherheit hat oberste Priorität

Wiedereröffnung | Handel, Friseure und Co sperren wieder auf, mit FFP2-Maske, erhöhtem Mindestabstand und Kundenbeschränkung.

BEZIRK TULLN | „90 Tage geschlossen, 90 Tage kein Umsatz und 90 Tage konnten wir keine Kunden und Mitarbeiter in unserem Geschäft begrüßen“, blickt Nina Stift, Vizepräsidentin Handel mit Mode und Freizeitartikel jetzt optimistisch in die Zukunft. Denn: „Nach 90 verlorenen Öffnungstagen braucht die Wirtschaft endlich wieder ein normales Leben, um Umsätze zu generieren, um Arbeitsplätze und Standorte zu erhalten.“

Handel und körpernahe Dienstleister wie Friseure und Fußpfleger „tun alles, um die Sicherheit in den Geschäften zu gewährleisten.“

Im Modehaus Stift lassen sich alle Mitarbeiter zusätzlich freiwillig wöchentlich testen. Das ist jetzt auch gut möglich, da die Teststraßen bereits um 7 Uhr öffnen.

Bei den körpernahen Dienstleistungsbetrieben ist ein negativer Corona-Test verpflichtend. „Ich finde die Aufregung rund um das Testen übertrieben, aber natürlich ist der negative Corona-Test Voraussetzung, um den Friseurbesuch wahrzunehmen“, so Rudi Fiedler, der überzeugt ist, dass wir noch einige Zeit mit dem Virus leben müssen. Außerdem setzt der Chef der Gruppa L‘Ultima auf gegenseitiges Vertrauen und ist „stolz, solche Kunden zu haben, die das selbstverständlich nehmen und alles tun, um wieder zu uns zu kommen.“

Für seine Kunden ging Fiedler einen interessanten Deal mit der Apotheke Bösel am Hauptplatz ein: „Die Kunden können sich in der Apotheke Bösel (mit der Visitenkarte von Friseur Fiedler) einen Gurgeltest um 12.90 Euro (statt 20 Euro) kaufen. Der eingesetzte Betrag von 12.90 Euro wird dann von Friseur Fiedler übernommen. Das Angebot gilt von 8 bis 11 Uhr am Vormittag für die „Fiedler Jutta The Hair Company“ und die Gruppa L’Ultima.

„Unzumutbar für die älteren Kunden“

Für Friseurin Ilse Kamlander brachte Corona firmentechnische Veränderungen mit sich. „Ich arbeite jetzt alleine und habe mir eine zweite selbstständige Kollegin an Bord geholt, jetzt gibt es mit Marina Cosic zwei Chefs“, so Ilse Kamlander, die es „arg findet, die Kunden nach ihrem Gesundheitszustand zu fragen.“ Außerdem sei es für ältere Kunden „unzumutbar und schwierig zu einem Test zu kommen.“

„Brauchen Disziplin und Eigenverantwortung“

Für kleinere Geschäfte ist die 20m2 -Begrenzung eine Herausforderung, die aber mit Kreativität umgesetzt wird.

Wie zum Beispiel bei „Aust“ am Rathausplatz in Tulln. Hier wird ein Ampelsystem genutzt mit Schildern an der Eingangstüre: Ist ein roter Kreis mit „Sorry im Moment kein Eintritt möglich“ zu lesen, gibt Geschäftsführerin Andrea Ehemoser „Coffee to go“ Gutscheine vom Segafredo an die wartenden Kunden aus. „Ich bin überzeugt, dass sich die Kunden alle an die Richtlinien halten, jeder ist froh, dass der Handel wieder aufsperrt“, so Ehemoser.

Dass einige Kunden auch Termine wegen des zwingenden CoronaTests absagen, weiß Christine Müllner vom Fußpflege Fachinstitut in der Albrechtsgasse: „Wir sind startklar und erfüllen alle hygienischen Auflagen und Sicherheitsvorkehrungen, aber es gibt auch Absagen, da es für viele ältere Menschen nicht einfach ist, in die Teststraßen zu kommen.“

Trotz der Freude über die Öffnung des Handels gibt es große Bedenken und die Angst vor dem nächsten Lockdown. Vanda Pomberger, Inhaberin von „Zweitoutfit“ am Minoritenplatz hofft „auf die heimische Kaufkraft“, glaubt aber, dass in zwei, drei Wochen wieder alles zu sein wird und „viele trauen sich noch gar nicht einkaufen gehen, da sie einen großen Ansturm auf die Geschäfte fürchten“, so Pomberger, die jetzt auch verstärkt auf ihren neuen Online-Shop setzt.

Christian Bauer, Bezirksstellenobmann der Wirtschaftskammer NÖ spricht von einem „enorm wichtigen ersten Öffnungsschritt“, aber neben dem vorgegebenen Sicherheitskonzept ist eine große Portion Eigenverantwortung gefragt“, so der Obmann. Bauer ist überzeugt, dass viel von der Disziplin eines jeden einzelnen abhängt: „Man darf das Virus nicht auf die leichte Schulter nehmen.

"Maßnahmen machen Friseurbesuch möglich „

Dankbar für alle Kunden, die die Verordnungen mittragen“, ist Innungsmeisterin der Friseure Silvia Rupp. „Wir sind glücklich, dass wir öffnen dürfen, das Umsetzen der Maßnahmen ist die einzige Möglichkeit, um überhaupt zu öffnen.

„Nach 90 verlorenen Öffnungstagen braucht die Wirtschaft endlich wieder ein normales Leben.“ Nina Stift 

 

Quelle: NÖN, Ausgabe Nr. 06/2021 erschienen am 10.2.2021