Tullner Erfolgsstorys

Rebeat Digital

Von Tulln in die ganze Welt - Bits und Bytes im internationalen Musikbusiness

Wie ein Musik-Tech-Unternehmen aus der Gutenbergstraße globale Bühnen bespielt

Rund 6.000 Kunden in 130 Ländern, ein Unternehmen an der Schnittstelle von Musik und Technologie: „Rebeat Digital“ könnte genauso gut in Los Angeles zu finden sein, sitzt aber in der Tullner Gutenbergstraße. Mit einem „Ur-Tullner“ als Mastermind des Unternehmens. „Gleich hinter’m ARBÖ“, so die Wegbeschreibung von Guenter Loibl zu seinem Unternehmen. In dem blauen Gebäude arbeiten rund 20 Leute als Dienstleister für die Musikbranche. Stichwort: digitaler Vertrieb. Und was ist das jetzt genau?

Musik und Technologie

„Also, meine Mutter weiß bis heute nicht so richtig, was ich tue. In Wahrheit ist es so: Wenn ein Künstler einen Song macht, kann er zu uns kommen und wir sorgen dafür, dass dieser dann bei Spotify, Apple Music, Amazon usw. zu finden ist. Wir kassieren dann das Geld und verteilen es an die Musiker. Es hat leider Gottes wenig mit Musik zu tun, aber sehr viel mit Technologie.“

Als es noch CD’s gab

Das „leider Gottes“ lässt sich wohl auch mit Loibls persönlicher Geschichte erklären. Als er 15 Jahre alt war und eine Lehre begonnen hatte, war das Erste, was er sich mit seinem Geld kaufte, ein Synthesizer. Er wollte unbedingt Musik komponieren. „Aber keiner wollte meine Lieder haben.“ Also beschloss er, sie selbst zu produzieren. „Da bin ich draufgekommen, dass das auch keiner will. Und dann - mit knapp 30 - habe ich gesagt, okay, dann vertreibe ich sie auch noch selbst. Ich habe damals so eine Girl Band produziert und habe die CDs auch verkauft in die großen Märkte.“

Erfolgreiche Überzeugungsarbeit

Damit begann die Firmengeschichte. „Das haben ganz viele andere Leute gehört, dass ich da jetzt mit einem neuen Vertrieb angefangen habe. Und plötzlich haben die sich gemeldet und gesagt, ich hab auch CDs, kannst du die bitte auch in den Vertrieb nehmen? Auf einmal habe ich, eigentlich gar nicht einmal so gewollt, eine große Palette an CDs gehabt und habe auch noch das Glück gehabt, dass ein paar davon dann tatsächlich gechartet sind. So habe ich angefangen mit dem physischen Vertrieb.“ Das war im Jahr 2000.

Die Konkurrenz, die keine war

Und dann kam eine neue Konkurrenz für die CD – das mp3-Format. Plötzlich musste man keine CD mehr kaufen, sondern konnte sich die einzelnen Titel „aus dem Internet“ runterladen. Während viele darin den Niedergang der Musikindustrie sahen, hat Loibl von Anfang an auf das neue Geschäftsmodell gesetzt. Die Überzeugungsarbeit hat gedauert – „bis etwa 2012“ glaubten viele nicht, dass man damit Geld verdienen kann. Heute, im Streaming-Zeitalter, „lachen alle nur mehr“ über die damalige Skepsis. Gerade jetzt hat Guenter „ein Déjà-vu“ – Stichwort KI. Er glaubt nicht an das Ende der Musikbranche durch Künstliche Intelligenz, ganz im Gegenteil. Wir werden sehen.

Wo „Live is life“ neu gemischt wurde

Ganz ohne Musik geht’s natürlich in der Tullner Gutenbergstraße nicht. Da sind einerseits die MitarbeiterInnen – rund drei Viertel von ihnen aktive MusikerInnen: „DJ, Toningenieur, Sängerin, Sänger, Gitarrist, Bassist“, zählt Guenter Loibl auf. Und andererseits gibt’s ja auch noch das hauseigene Studio. Dolby Atmos - eine „Klangverbesserung, die ein Riesenschritt nach vorne ist“, wie der Chef begeistert erzählt. Im Tullner Studio wurde auch schon „Live is life“ der Gruppe Opus neu gemischt. Im Moment arbeitet gerade ein junger Musiker am Feinschliff seiner Aufnahme. Dass im Gemeinschaftsraum an der Wand eine „Platinerne“ des Erfolgsduos „Seiler und Speer“ hängt, hat mit einem anderen Geschäftszweig von Guenter Loibl zu tun - vor einigen Jahren hat er das österreichische Traditions-Label „Preiser“ gekauft.

„Leiwand“ in Tulln

Am Standort Tulln hat der 56jährige vierfache Familienvater Guenter Loibl nie gezweifelt. Deswegen hat er seinerzeit – „das war noch unter Bürgermeister Stift“ – das Grundstück hier gekauft und bebaut. Es gibt vieles, was er an seiner Heimatstadt schätzt. Da wäre einmal „die wirtschaftlich denkende“ Stadtregierung – „wenn ich etwas gebraucht habe, habe ich immer den Eindruck gehabt, man bemüht sich, das umzusetzen“. Und dann natürlich die Lebensqualität: „Ich schaue da beim Fenster aus und alles ist grün - und das ist leiwand.“ Was er sich von seiner Stadt noch wünschen würde? „Eine HTL wär‘ super, wir brauchen ganz dringend gute Programmierer.“ Ins Schwärmen kommt er beim Thema Donaulände: „Tulln hat wahrscheinlich die schönste Donaupromenade auf der ganzen Welt. Das ist richtig genial. Wir haben von Juni bis September pures Urlaubsfeeling. Ich kenn‘ wirklich viel auf der Welt, aber das, was wir da haben - das ist richtig gut, das ist einmalig.“ Großes Lob von einem, der beruflich zwischen den USA, Japan und Dubai pendelt. Eine Firmenadresse in den USA gibt’s auch noch – das hat mit einem anderen Projekt in der Vergangenheit zu tun. Behalten will Guenter Loibl sie aber, weil „dann hast du auch eine amerikanische Telefonnummer.“ Und das ist wichtig, wenn man den größten Musikmarkt der Welt bedient. Von Tulln aus.