Mykotoxine

Auch Mykotoxine im Lebensmittel sorgten kürzlich für – schaumgebremste – Aufregung. Heimische Forscher arbeiten intensiv an einem tieferen Einblick in diese Giftküche der Natur.

Die Konjunktur von Themen in der Medienlandschaft ist bisweilen recht eigenartig: Wochenlang wurde ganz Europa vom (offenbar kriminellen) Vertauschen von Rind- und Pferdefleisch in Fertigprodukten in Atem gehalten. Als die Aufregung nach zwei Wochen spürbar kleiner wurde, platzte plötzlich eine neue schauerliche Nachricht aus der Lebensmittelwirtschaft herein: In deutschen Milchproben wurden Pilzgifte (Mykotoxine) gefunden, die Spur führte zu rund 10.000 Tonnen „verseuchtem“ – weil verschimmelten – Mais, der an die Milchkühe verfüttert worden war.

Das führte indes kaum zu Schlagzeilen – obwohl die Folgen viel ernster zu nehmen sind: Pferdefleisch ist nicht gesundheitsschädlich, Pilzgifte sind hingegen hochgiftig (z.B. 100 – mal giftiger als Pestizide). Das häufigste der bekannten Pilzgifte heißt Aflatoxin B1, eine Tagesdosis von zehn Mikrogramm je Kilo Körpergewicht löst Krebs aus – Aflatoxine zählen damit auch zu den am stärksten krebserzeugenden Verbindungen überhaupt.

De Mykotoxin-Forschung hat in den letzten Jahren enorme Fortschritte gemacht, das weltgrößte Zentrum dafür befindet sich in Österreich: v.a. im IFA Tulln, wo mehr als 100 Wissenschaftler der Uni für Bodenkultur, TU Wien, VetMed-Uni, des Austrian Institute of Technology (AIT), von mehreren Christian-Doppler-Labors, Spezialforschungsbereichen, Doktoratsprogrammen und Unternehmen an diesem Thema dran sind. Entwickelt wurden z.B. Analysemethoden für die nur in äußerst geringen Mengen vorkommenden Toxine. Heute gibt es einen Test, der in etwas mehr als einer Stunde über 300 natürliche Gifte gleichzeitig erfasst. Mittlerweile können in fast allen Getreideprodukten zumindest Spuren von Mykotoxinen nachgewiesen werden erläutert der Boku-Forscher Rudolf Krska. Was freilich noch lange nicht heißt, dass diese Mengen auch gesundheitsschädlich wären.

Was im Körper mit den aufgenommen Mykotoxinen weiter geschieht, ist noch weithin unbekannt. Da sie chemisch sehr stabil sind, werden sie nicht abgebaut, sondern in andere Formen verwandelt – sie können unter Umständen später auch wieder in die giftigen Formen zurückverwandelt werden. Ein besonders heißes Forschungsthema sind aktuell die sogenannten „maskierten“ Mykotoxine, bei denen Zuckermoleküle an die Gifte angehängt werden. Das Problem an der Sache: Deren Analyse ist derzeit äußerst schwierig – es wird mit Hochdruck an noch besseren Methoden gearbeitet. Wodurch man weiteren Einblick in die bisher verborgenen Mechanismen der natürlichen Giftküche bekommen wird.

Quelle: Die Presse, erschienen am 9. März 2013