Das Sackerl der Zukunft

Agrana-Innovation | In Tulln wurde ein Bio-Kunststoff präsentiert, der das herkömmliche Plastiksackerl obsolet macht.

TULLN | In Österreich gilt ab 2020 ein Plastiksackerl-Verbot. Kein Problem, zumindest wenn es nach der Agrana geht. Dort setzt man auf thermoplastische Stärke und Agenacomp, einen Bio-Kunststoff, der Sackerl möglich macht, die sogar am Komposthaufen im eigenen Garten schon nach spätestens einem Jahr vollständig biologisch abgebaut sind.

Vorgestellt wurde die jüngste Innovation aus dem Frucht-, Stärke- und Zucker-Konzern im ARIC (Agrana Research & Innovation Centre) in Tulln. „Plastik hat viele schöne Seiten, aber es macht auch Probleme und die muss man adressieren“, betonte Vorstandsvorsitzender Johann Marihart. Von den rund 8,3 Milliarden Tonnen Plastik die von 1950 bis 2015 erzeugt wurden, sind noch rund 30 Prozent in Verwendung. Nur zehn Prozent wurden wiederverwertet oder vernichtet. Der überwiegende Rest lagert auf Deponien, Müllhalden oder in der Natur. Alleine in Österreich landen jährlich 5.000 bis 7.000 Tonnen Plastikmüll in der Umwelt. Mit Agenacomp zeigt Agrana einen möglichen Weg auf, diese Menge zu reduzieren. Der neue Bio-Kunststoff besteht zu 50 Prozent aus thermoplastischer Stärke, marktüblich sind lediglich 25 Prozent. „Das ermöglicht eine vollständige Heim- Kompostierbarkeit. TÜV-zertifizierte Tests ergaben eine hundertprozentige Verrottung ohne Mikroplastik-Rückstände“, erklärt Marihart zum neuen Stoff, aus dem Sackerln (vom Knotenbeutel bis zur Tragetasche), Verpackungsfolien und vieles mehr hergestellt werden können.

„Der hohe Stärkeanteil bedeutet auch, dass die Produkte aus bis zu 50 Prozent nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden können“, ergänzt Geschäftsführer Horst Hartl (Agrana Stärke). Als Kunde will man natürlich wissen, wie teuer das wird. „Keine Frage, Nachhaltigkeit kostet etwas, aber das wird sich in einem vertretbaren Bereich abspielen und für den Konsumenten kaum spürbar“, versichert Hartl. Was die technischen Aspekte angeht, erklärt Barbara Fahrngruber vom ARIC: „Wir haben diese ganz spezielle thermoplastische Stärke von der Pieke auf bei uns entwickelt. Mit abbaubarem Polyester verfeinert sind damit Endprodukte bis zu 3DDruck- Anwendungen möglich.“ 

40 Millionen Euro für Kristallisationsanlage

Schon am Tag nach der Vorstellung von Agenacomp gab die Agrana den nächsten Coup für Tulln bekannt: Im Frühjahr 2019 ist die Errichtung einer neuen Betain-Kristallisationsanlage um rund 40 Millionen Euro geplant. Dabei handelt es sich um ein gemeinsames Unternehmen mit dem amerikanischen Zuckerproduzenten TASCO (The Amalgamated Sugar Company). Betain wird etwa als Bestandteil von Futtermitteln, aber auch n Nahrungsergänzungsmitteln und Sportgetränken eingesetzt. 

„Plastik zu verbieten ist nicht die Lösung. Je nach Verwendungszweck ist vermeiden, recyclen oder biologisch abbauen angesagt.“ Johann Marihart