Bio-Plastik für den Komposthaufen

Das kürzlich beschlossene Plastiksackerlverbot soll bei der Müllvermeidung helfen. Die AGRANA in Tulln entwickelte einen Kunststoff, der zu hundert Prozent kompostierbar ist und eine mögliche Alternative für die Zukunft darstellen könnte.

Zwar sind schon jetzt biologisch abbaubare Müllbeutel im Handel erhältlich, allerdings lassen sich dabei nicht immer sämtliche Bestandteile rückstandsfrei kompostieren. Einerseits können kleinste Bestandteile von Mikroplastik in der Erde zurückbleiben und so in den Nahrungskreislauf gelangen, andererseits gäbe es Säcke, die nur industriell abbaubar sind, sagte AGRANA-Generaldirektor Johann Marihart bei der Produktpräsentation des neuen Biokunststoffs aus Tulln. Der Stärkeanteil des neuen umweltfreundlichen Plastiks sei etwa doppelt so hoch wie bei bisherigen Stärkesäcken und „die TÜV-zertifizierten Kompostierungstests haben eine hundertprozentige Verrottung ohne Rückstände von Mikroplastik nachgewiesen“, so Marihart.

Verglichen mit der industriellen Kompostierung braucht sie am Komposthaufen zu Hause zwar etwa doppelt so lange, nach etwa einem Jahr sind aber sämtliche Bestandteile des Bio-Plastiksacks biologisch abgebaut. Die Grundlage für den Kunststoff liefert Maisstärke, erklärt AGRANA-Polymer-Forschungsleiterin Barbara Fahrngruber: „Durch die Stärke können wir viele Verpackungssysteme am Markt ersetzen und mit dem heimkompostierbaren Kunststoff eine Lösung für das Müllproblem liefern.“ Darüber hinaus würde bei der Herstellung von thermoplastischer Stärke vier Mal weniger Treibhausgas entstehen als bei der Produktion von herkömmlichem Plastik.

Biologisches Plastik für Verpackungen

Das von AGRANA vorgestellte biologische Plastik soll in Zukunft vor allem im Bereich von Verpackungsmaterialien liegen - beim sogenannten Knotenbeutel, der als Plastiksackerl aus der Obst- und Gemüseabteilung bekannt ist, bei Tragetaschen, Müllsäcken und im Luftpolsterbereich. Aber auch andere Verwendungszwecke sind denkbar. Beispielsweise ist die thermoplastische Maisstärke auch im 3D-Drucker anwendbar und kann bei Spritzgussverfahren verwendet werden.

Preislich würde sich auf lange Sicht für Kundinnen und Kunden wenig ändern, sagt Horst Hartl, Geschäftsführer von AGRANA-Stärke: „Nachhaltigkeit kostet etwas, aber es ist in einem vertretbaren Rahmen und das wird sich in einem Bereich abspielen, den Konsumentinnen und Konsumenten kaum spüren werden.“ Die Produktionsstätte des Tullner Bio-Plastiks, das mittlerweile zum Patent angemeldet wurde, befindet sich in Gmünd.

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