Die Zukunft der Schallplatte

Das österreichische Start-up Rebeat von Günter Loibl entwickelt die Retro-Technik der guten alten Schallplatte weiter. Die HD-Vinyl klingt besser, fasst mehr Songs und kommt 2019 auf den Markt.

Die Plattennadel setzt leise auf, es knistert leise auf der schwarzen Scheibe und schon ist es wieder da, das nostalgische Gefühl, das uns an damals erinnert. An die alten Zeiten, als LPs und Singles, egal ob Rock oder Schlager, das Lebensgefühl via Lautsprecher in die Wohn- und Jugendzimmer übertrug.

Denn jetzt ist sie wieder da, die gute alte Vinyl-Platte. Seit einigen Jahren boomen analoge Schallplatten wieder. Allein voriges Jahr wurden in Österreich 7,8 Millionen Euro mit den schwarzen Scheiben umgesetzt - soviel wie seit den Neunzigerjahren nicht mehr. "Von der allgemeinen Entwicklung her kann man die Kurven von Streaming und Vinyl einem Diagramm beinahe übereinander legen", beschreibt Günter Loibl die Marktsituation. Und der Gründer des Digitalvertriebs Rebeat Digital weiß auch warum: "CD-Verkäufe nehmen ab und beim Streaming, das ich als besitzlosen Musikkonsum bezeichne, gehört dir eben nichts. Man kann auch nichts sammeln und sich in den Schrank stellen.

30 statt 22 Minuten
Jetzt will Loibl, selber großer Vinyl-Fan, obgleich ihn sein in Tulln beheimatetes Unternehmen Rebeat durch den Vertrieb digitaler Musik an Download- und Streaming-Services nährt, die Schallplatte in die nächste Generation führen. Sein Start-up hat nämlich die Schallplatte zu Vinyl in High Definition weiterentwickelt. Loibl: HD-Vinyl klingen wegen des höheren Frequenzganges um vieles besser und haben eine längere Spieldauer. Passten bisher rund 22 Minute auf eine Plattenseite, bekommen wir jetzt zirka 30 Minuten drauf." Auf die Idee für die Wunderplatte ist Loibl in einer kreativen Kaffeepause in seiner Firma gekommen, als ein Mitarbeiter meinte: "Beim digitalen Vertrieb können wir nicht viel ändern, aber die Lieferzeiten bei Schallplatten sind einfach zu lang. Bei einem halben Jahr Wartefrist kann ein Label keine sinnvolle Release-Planung machen.

Presswerke kollabieren
Als keiner mehr Schallplatten wollte, schlossen viele Presswerke und die Schneidemaschinen für die Rillen wurden verschrottet oder in die dritte Welt verscherbelt. Wegen der plötzlichen großen Nachfrage in den letzten Jahren wurden die Maschinen zurückgekauft und aufgepimpt. Aber die Qualität war schlecht, weil die Presswerke auf Teufel komm raus produzierten. Und jetzt kommt Günter Loibl mit seiner HD-Vinyl ins Spiel. Er hat gemeinsam mit dem Forschungsinstitut Joanneum eine Technologie entwickelt, um Schallplatten aus Vinyl effizienter sowie schneller herzustellen und dabei die Qualität zu verbessern.

Mitte 2019 geht's los
Statt Toninformationen mechanisch mit einem Schneidstichel in die Matrize zu ritzen, komm bei HD-Vinyl Lasertechnik zum Einsatz. Die Platten werden immer vom Originalstempel gedruckt, nicht von einer Kopie einer Kopie eine Kopie. Weil HD-Vinyl-Stampfer aus Keramik hergestellt werden, fällt auch die Galvanisierung, ein toxischer Prozess mit umweltfeindlichen Stoffen, flach.

Zwei Probleme konnten überdies gelöst werden: Das Patent für HD-Vinyl wurde weltweit angemeldet und endlich ein veritabler Investor in Gestalt der GW Invest gefunden. Loibl lacht, denn er hat "mit Investment-Leuten in der ganzen Welt geredet und jetzt ist es der Garten-Profi Praskac geworden, der 500 Meter Luftlinie von mir entfernt sitzt."

Mitte 2019 will Loibl seine HD-Vinyl auf den Markt bringen und hat für den Konsumenten zwei erfreuliche Botschaften: "Die HD-Vinyl wird kaum teurer als herkömmliche Schallplatten und sie ist außerdem auf allen Plattenspielern zu verwenden."
Und zuletzt gesteht er: "Ich kann an keinem Plattengeschäft mehr tatenlos vorbeigehen."