Tullner Rebeat macht Bürger zu Plattenfirmen

Heute kann jeder seine Musik weltweit verkaufen. VERTRIEB Tullner Rebeat macht Bürger zu Plattenfirmen.

Das Internet ist ein mysteriöses Phänomen, das jeden Wirtschaftszweig transformiert, den es berührt: Durch Blogger-Portale kann jeder sein eigenes Onlinemedium gründen. Amazon hilft Autoren beim Publizieren ihrer Bücher. Und auch Musiker können ihre Lieder nun digital verkaufen - ganz ohne Plattenverträge. Möglich wird dies über die österreichische Software "Rebeat Digital". Einmal für 100 € gekauft, kann der Musiker seine Lieder hochladen, woraufhin Rebeat diese an Onlineshops und Streaming-Dienste weiter reicht - von Apples iTunes über Amazon bis zu Spotify, Deezer und Simfy (siehe links). Anschließend verdient der Musiker pro verkauftes oder angehörtes Lied. Die Zielgruppen sind unabhängige Musiker ebenso wie kleine Plattenfirmen, sagt Günter Loibl, Geschäftsführer Rebeat, den Wirtschaftsblatt: „Inzwischen haben wir Verträge mit über 5000 Kunden aus 92 Ländern.“ Selbst in Korea und Surinam wird die Software des Tullner Kleinunternehmens verwendet. Marktführer im Geschäft der Vermittlung zwischen Künstler und Vertrieb ist Rebeat in Ungarn, Slowenien, Kroatien, der Slowakei und Serbien. Rund 50 Prozent des Umsatzes kommt laut Loibl durch iTunes zustande.

Zufällig stinkreich

Das Einkommen der Musiker variiert. Ein Künstler, der sich auf die elektronische Musikrichtung Dubstep konzentriert hat, wird von einer US-amerikanischen Fitnesscenter-Kette in Dauerschleife gespielt – dadurch verdient er monatlichen einen fünfstelligen Betrag. Andere Musiker wiederum verdienen kleine vierstellige Beträge und können davon knapp überleben. „Wenn ein Musiker unbekannt ist, kauft niemand seine Musik“, bemängelt Loibl. Das Vertriebsproblem mag Rebeat gelöst haben – aber die Marketing Macht haben nach wie vor die großen Musikkonzerne.

Quelle: Wirtschaftsblatt, erschienen am 25.1.2013