Bakterium löst Plastik

Sensationsfund | Tullner Forschergruppe entdeckt Mikroorganismus, der in der Lage ist Kunststoff ohne Sauerstoff abzubauen.

TULLN | Eine Welt ohne Plastik ist für uns heutzutage gar nicht mehr vorstellbar. Weder im positiven, noch im negativen Sinn, denn dieses Zeug ist, einfach nicht mehr so einfach loszuwerden. Gelangt ein Plastiksackerl einmal in die Umwelt, dann löst es sich nicht so leicht in Luft auf. Studien haben auch eine hohe Menge an Mikroplastik in unseren Gewässern, speziell in der Donau festgestellt. Dieses Problems nimmt sich seit geraumer Zeit Doris Ribitsch an, Forscherin am Austrian Centre of Industrial Biotechnology (acib), am Standort Tulln.

 „Es gibt zwar einige Projekte, die versuchen Plastik wie PET durch sogenanntes ,Bioplastik‘ zu ersetzen. Dies landet oftmals im Biomüll. Da dort anaerobe Bedingungen herrschen, sprich unter Ausschluss von Sauerstoff, baut sich auch dieses Plastik nur schwer ab“, erklärt Ribitsch gegenüber der NÖN.

Clostridium botulinum produziert Lösung

Das Problem dabei ist, dass es sehr wohl Organismen gibt, die diese Art von Plastik abbauen können, allerdings nur unter Zugabe von Sauerstoff. Mikroorganismen sind in der Lage bestimmte Enzyme zu produzieren, die Abbauprozesse beschleunigen und als Katalysator funktionieren.
Die Forschergruppe rund um Ribitsch machte sich also auf die Suche nach einem geeigneten  Mikroorganismus, der in der Lage ist, ein Enzym zu produzieren, das unter sauerstoffarmen Bedingungen Bioplastik abbauen kann. Nach einigen Jahren war es soweit: „Das Bakterium Clostridium botulinum erfüllt sämtliche Voraussetzungen. Es ist sogar im Biogas-Schlamm vorhanden“, erzählt Ribitsch begeistert. Ein spannender Nebeneffekt ist, dass das Bakterium sogar Eiweiße enthält, die auch in Botox vorkommen. In Kooperation mit der ETH Zürich stellte das acib eine optimierte Enzymvariante her, die nun in eine Biogasversuchsanlage eingebracht werden soll.