Ihre Welt sind die Algen

Forschung | Katharina Meixner (30) ist in einem spannenden, zukunftsträchtigen Metier tätig. Am BOKU-Standort Tulln schreibt sie derzeit ihre Doktorarbeit über die grünen Alleskönner.

TULLN, HERZOGENBURG | „Haben Sie ,Helga‘?“, fragt Katharina Meixner die Kellnerin vor dem NÖN-Gespräch im Kaffeehaus. Die Angesprochene blickt verdutzt: „Ich denke, dass vor etwa fünf Jahren eine Helga bei uns gearbeitet hat, aber derzeit habe ich keine Kollegin mit diesem Namen.“

Katharina Meixner hat nach keiner Person mit dem Vornamen Helga gefragt. Sie wollte wissen, ob in dem Lokal Österreichs erstes Algen-Erfrischungsgetränk gibt, das ebenfalls Helga heißt. In dem grünen Drink enthalten: Vitamine, Eiweiß, Mineralstoffe, Omega-3-Fettsäuren.
Verantwortlich dafür ist, wenig überraschend, eine spezielle Süßwasseralge. In der Algenwelt kennt sich Katharina Meixner blendend aus. Dabei war ihr Weg nicht unbedingt vorgezeichnet. Prägend waren die Wanderungen und Urlaube in den Bergen, aber auch die Spaziergänge mit den Großeltern: „Da kam mir der Umweltgedanke näher“, sagt die Forscherin, die Kindergarten, Volksschule und Hauptschule in Herzogenburg besucht hat, ehe sie eine fünfjährige Ausbildung an der Höheren Bundeslehranstalt für Wirtschaftliche Berufe (HLW) in St. Pölten mit dem Zweig „Umweltökonomie und -ökologie“ absolvierte. Seither ist Meixner wissenschaftlich unterwegs. Nach der Matura folgte der Studiengang „Biotechnologische Verfahren“ an der Fachhochschule Tulln, den sie mit einer viel beachteten Masterarbeit abschloss. Darin geht es, grob vereinfacht gesagt, um Gärrestaufbereitung. Gärrest ist der Rest, der nach der Produktion von Biogas übrig bleibt. Seither lässt die 30-Jährige die Welt der Algen nicht mehr los. „Worauf muss man bei der Kultivierung achten? Was kann man aus Algen machen?“

Um diese Fragen kreisen die Gedanken, denn die Anwendungsgebiete sind unglaublich vielfältig. Algen sind Lebensmittel, Futtermittel und in Kosmetika enthalten, werden bei der Abwasserreinigung eingesetzt.
Die Dissertation, mit der die Forscherin derzeit beschäftigt  ist, führt sie an der Universität für Bodenkultur durch. Parallel dazu tanzt Katharina Meixner auf mehreren Hochzeiten, denn sie ist unglaublich engagiert. Sie forscht am Kompetenzzentrum „Bioenergy 2020+“, das seinen Sitz in Graz hat und einen Forschungsstandort  in Tulln betreibt, sie hält Gastvorträge und betreut auch Studenten am Interuniversitären Departement für Agrarbiotechnologie in Tulln (IFA).
Die Herzogenburgerin, die mittlerweile ihren Wohnsitz berufsbedingt nach Tulln verlegt hat, hat auch schon zahlreiche Preise eingeheimst. 2016 gewann sie beispielsweise - mit ihren Teamkollegen - den „Energy Globe Award Austria“ in der Kategorie „Sustainable Plastics“. Der „Energy Globe Award“ wird seit 1999 vergeben und gilt mittlerweile als weltweit wichtigster Umweltpreis. Dabei werden Projekte mit Fokus auf Energieeffizienz, Ressourcenschonung und Einsatz erneuerbarer Energien prämiert.
Und was macht Katharina Meixner, wenn sie nicht forscht? „Radfahren, Skitouren, Wandern, Bouldern“, unterstreicht sie schmunzelnd ihre sportliche Seite. Theaterbesuche runden das Freizeitspektrum ab. Mit dem Rad fährt sie übrigens täglich: „An meiner Arbeitsstätte bin ich in fünf Minuten, das schätze ich sehr.“