Schöne, neue, digitale Welt

Zukunftsforum 2018 | Vertrauen, Verstehen, Brücken bauen – meistern wir so die Herausforderungen der digitalen Zukunft?

TULLN | Im voll besetzten Atrium des Rathauses begrüßte Bürgermeister Peter Eisenschenk zum 7. Tullner Zukunftsforum. „Wie es kommt, das verdanken wir uns selbst“, betonte Eisenschenk. Und beim Entwickeln eines Plans sollte man sich nicht nur auf den gesunden Menschenverstand verlassen. Das brauche (Herzens-)Bildung und Wissen. Einen Beitrag dazu könne das Forum mit seinen hervorragenden Referenten leisten.

In eine ähnliche Kerbe schlugen Bildungsminister Heinz Faßmann („Alpbach wird hier ins Tullnerfeld transferiert“) und Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner („Hier stehen zentrale Themen im Mittelpunkt, die uns unter den Nägeln brennen“), die die offizielle Eröffnung vornahmen.

Den Festvortrag hielt Dirk Helbing von der ETH Zürich, die als eine der besten Universitäten der Welt gilt. Helbing sprach über Risken und Chancen der Digitalisierung. In einer vertrauensbasierten Gesellschaft, in einer Kreislaufwirtschaft, in einer modernisierten Demokratie sieht er einen neuen Ansatz, um Weltprobleme anzupacken.

Tags darauf begann Physiker Peter Skalicky seinen Vortrag mit Konfuzius: „Man muss zuerst Begriffe klären, damit man weiß, wovon man spricht.“ Außerdem gab er zu bedenken, dass sich künstliche Intelligenz so „neurotisch wie wir“ entwickeln könne. „Wenn wir das Menschliche erhalten wollen, müssen wir lernen. Verstehen ist genussvoll“. Ostwalds „Energetische Imperativ“ (keine Energie zu vergeuden, sondern sie zu verwerten) und der Klimawandel, der eigentlich eine Klimaänderung ist, wurden beleuchtet.

„Man kann nichts weg-erfinden“, meint Skalicky und ruft dazu auf, Verstand und Vernunft einzuschalten, Ideologie sabotiere das Urteilsvermögen. „Bis 2030 nur erneuerbare Energie zu verwenden, mit solchen Versprechen sollte man vorsichtig umgehen“, so Skalicky. Als 

 „Wenn wir das Menschliche erhalten wollen, müssen wir lernen - Verstehen ist genussvoll.“ Peter Skalicky.

  „Lichtblick“ bezeichnete er das Engagement der HAK Tulln und den ernstgenommenen Bildungsauftrag. Zur Welternährung bis 2050 sprach Helmut Haberl, Institutsvorstand Soziale Ökologie. Er erklärt, dass der Anstieg der Weltbevölkerung bis 2050 zu einer Verdoppelung der Nachfrage nach landwirtschaftlichen Produkten führen könnte. „Die größten Potenziale liegen auf der Nachfrageseite, die steigende Nachfrage wird Anreize für eine weitere Intensivierung geben und die Landnutzungskonkurrenz erhöhen.“ Auch die biologische Landwirtschaft könnte die Weltbevölkerung ernähren, allerdings nicht bei einem hohen Konsum.

Publizist und Verleger Hans-Ulrich Grimm referierte unter dem Motto „Die Kinder von heute sind die Kranken von morgen“ über die Folgen moderner Kindernahrung. Durch industriell hergestellte Nahrung und diversen chemischen Zusätze seien Kinder einem Gesundheitsrisiko ausgesetzt, und Alzheimer, Allergien, Diabetes und Krebs wären die Folgen.

Der Trick zu einer gesunden Zukunft klingt simpel: Der Konsum natürlicher Lebensmittel.

Politikwissenschaftler Gerhard Mangott, ein Experte im Bereich der Regimelehre Russlands und der Ukraine sowie der Rüstungskontrolle, pflegt seit 32 Jahren Kontakte mit Russland und auch mit Wladimir Putin. Er wies auf eine Entfremdung in den 90er Jahren durch das Verlangen Europas hin, in Russland demokratische Reformen umzusetzen. Russland wollte seine eigenen traditionellen Werte erhalten und nur Geschäftsbeziehungen pflegen.

Mangott thematisierte die Ukraine-Krise, die Sanktionen gegen Russland (die versagt hätten), erklärte, wie das Land immer weiter in die Abhängigkeit von China gedrängt werde und appellierte: „Russland wird immer unser Nachbar bleiben, versuchen wir, Brücken zu bauen.“

Rudolf Taschner, Mathematiker und Buchautor, ließ als letzter im Vortragsmarathon selbst den müdesten Zuhörer nochmals aufhorchen. Zwar hob er eingangs die Stimmung mit „Es geht bergauf!“ enorm, holte jedoch mit seinem Kommentar zur Euphorie rund um die Errungenschaften der digitalen Revolution („Davon glaube ich kein Wort“) die Gäste auf den Boden der Realität zurück. Doch wo Gefahr ist, gebe es auch Lösungen, die wichtigste davon sei Bildungszugang für jeden Erdenbürger.