Tullner Betrieb mit einer Musterstadt im Kosovo

Das Tullner Logistikunternehmen Moser hat im Kosovo Neuland betreten und ein kommunales Serviceunternehmen aufgebaut. Der Kosovo verbessert sein Image.

Artikel Tullner Betrieb mit einer Musterstadt im Kosovo, Wirtschaftsblatt vom 17.02.2014

Das Tullner Logistikunternehmen Moser hat im Kosovo Neuland betreten und ein kommunales Serviceunternehmen aufgebaut. Der Kosovo verbessert sein Image.

Der Kosovo ist für Unternehmer Neuland und hartes Pflaster zugleich. Das Land, in dem 1999 noch Krieg herrschte und das sich 2008 von Serbien unabhängig erklärte, macht marktwirtschaftlich Schritte nach vorne. Aus Österreich haben sich zunächst Banken und Versicherungen angesiedelt; Klein- und Mittelunternehmen sind noch rar gesät.
Eines davon ist das Tullner Transportunternehmen Moser. Der Logistikbetrieb begann im Jahr 2012 auf Initative eines kosovarischen Mitarbeiters, ein kommunales Serviceunternehmen in der Gemeinde Gjilan aufzubauen: Eko-Higijena ist für die Müllabfuhr, Straßenreinigung, Friedhofsbetreuung und andere kommunale Dienstleistungen zuständig, erzählt Christian Moser, einer der Geschäftsführer des 1926 gegründeten Familienunternehmens. Der Umweltgedanke ist im Kosovo noch nicht gereift, wofür Moser Verständis zeigt: „Auch in Österreich musste sich das Bewusstsein jahrzehntelang entwickeln.“ Gjilan soll diesbezüglich eine Musterstadt werden.
Bis der Betrieb Gewinne abwirft, braucht es wohl Geduld: Ein Drittel der Rechnungen wird nicht bezahlt. Die Müllgebühren werden bei jedem einzelnen Kunden persönlich kassiert. Auch der Start erwies sich als kompliziert, berichtet Moser: „Wir sind auf ein schwieriges gesetzliches Umfeld getroffen, aber Politik und Behörden waren bemüht, Lösungen zu finden“, so der Unternehmer. Mit der Gemeinde hat die Firma einen Vertrag auf 15 Jahre abgeschlossen. Eko-HIgijena will in den kommenden Jahren 1,5 Millionen € investieren. Mittelfristig soll auch in eine Müllaufbereitungsanlage gebaut werden, so Moser , der 130 Mitarbeiter beschäftigt.

Junges Potenzial
„Trotz immensen ökonomischen Potenzials stellt der Kosovo für viele österreichische Firmen nach wie vor einen schwierigen Markt dar“, sagt Daniel Rössler vom Büro der Wirtschaftspartnerschaften der Austrian Development Agency (ADA), das Moser Starthilfe leistete. Zwar bestünden tatsächlich grundlegende Probleme, allen voran der Mangel an Rechtssicherheit und spezialisierten Fachkräften; sein schlechtes Image habe der Kosovo aber nicht verdient. Der Kosovo sei wegen der funktionierenden Infrastruktur und einer jungen Generation, die an der Entwicklung des Landes mitarbeiten will, „ein spannender Wirtschaftsstandort“, so Rössler.

Quelle:
Wirtschaftsblatt, erschienen am 17.02.2014